Die Angst...

Es war einmal der Urmensch. Der hatte eine Höhle, einen
Feuerstein, einen Speer, einige Steine zum Schaben - und das
war so ziemlich alles. Keine relativ sichere Welt, bedenkt
man, dass sich allerlei Getier in seiner Zeit getummelt hat.
Säbelzahntiger waren immer auf der Suche nach dem Happen
zwischendurch für den kleinen Hunger. Was kam da ge-
legener, als eine halbe Portion Mensch?
Auch um selbst nicht zu verhungern, musste der Mensch
damals jagen was das Zeug hielt. Am besten ein Mammut.
Doch wer einmal einen Elefanten in Lebensgröße
erlebt hat, der kann sich vorstellen, dass ein Mammut,
das deutlich größer war als ein Elefant
heutiger Zeiten, gut und gerne einen Menschen locker
so plätten konnte, dass er - platt wie er war -
glatt durch die engste Gletscherspalte gleiten konnte.

Daher war es nötig, dass er in der stetigen Gefahr
seines damaligen Lebens die Fähigkeit besaß,
es binnen Sekunden von "Null" auf "Hundert" zu schaffen
Die Reaktion musste blitzschnell sein! Noch schneller
als die eines Säbelzahntigers oder eines
Mammuts.

Doch der Urmensch war - aufgrund der Evolution -
bestens auf Gefahren vorbereitet. Und mit der Zeit
entwickelte er jene Fähigkeit, schnell zu
reagieren - anzugreifen oder zu flüchten - noch
weiter. Ebenso, wie alle anderen Tiere, die natürliche
Feinde fürchten mussten.

Doch wie funktionierte nun dieses Frühwarnsystem?
Wie funktionierte und funktioniert noch
heute der Schutzmechanismus "Angst"?
Lassen Sie uns zur Erklärung eine kleine Reise
in den Körper unternehmen.

Wir beginnen an Augen und Ohren, Haut und Nase.
Alle vier sind Sinnesorgane, mit denen wir Gefahren
wittern können.
Die Reize gehen von dem jeweiligen Organ direkt ins Gehirn.
Genau genommen nimmt sie die Region auf, die sich auch
Thalamus nennt. Diese Hirnregion wirkt wie eine
Rezeption im Betrieb. Sie sortiert die Wahrnehmungen
nach ihrer Wichtigkeit und sorgt für die reibungslose
und korrekte Weiterleitung der Information.
Damit alles schnell geht, hat der Thalamus eine Art von
Blitznews-Netz eingerichtet. Dieses funktioniert direkt
über den Mandelkern im vorderen Teil des Hirns.
Von dort aus wird eine sofortige Reaktion ausgelöst.
Denken Sie z.B. an einen lauten Knall. Sie wissen
noch nicht, wodurch der Knall entstanden ist und haben
ihn auch noch nicht bewusst wahrgenommen. Trotzdem zucken
Sie zusammen, ziehen zum Schutz die Arme an den Körper
und das Genick ein, bleiben blitzartig stehen oder
springen zur Seite. Das ist ihnen auch schon oft passiert?
Dann bedanken Sie sich mal bei unserem Mandelkern.

Binnen einer 35stel Sekunde schickt der Mandelkern
eine Botschaft an den Hypothalamus, das "zentrale Grau" und den
"Locus coeruleus" sowie den "Parabrachialen Kern". Dadurch
werden binnen unbegreiflich kurzer Zeiträumen viele
Körperfunktionen beeinflusst und gepuscht.
Blutdruck, Herzschlag und Atmung werden erhöht bzw.
beschleunigt, das "sympathische Nervensystem" wird ange-
feuert.

Resultat: Der Körper ist binnen Millisekunden sowohl
flucht-, wie auch kampfbereit. Der Hypothalamus feuert
die Hypophyse an, die wiederum über Umwege die
Produktion von Stresshormonen deutlich steigert.

Ohne weiter ins Detail zu gehen - der Mensch hat nun
binnen Millisekunden reagiert. Erst wenn der Thalamus die
Information an den "Hippocampus" über den zweiten
und langsameren Kreislauf weitergegeben hat
und der die tatsächliche Sinneswahrnehmung, mit ähnlich
zuvor gemachten Erfahrungen verglichen hat, macht der Mensch
sich entweder vor Angst beinahe oder tatsächlich
in die Hose...
Der Hippocampus gibt Entwarnung (es war nur ein
Silvesterkracher, der geknallt hat, da eben Silvester ist)
oder aber er treibt die Angstreaktion weiter an. (es war
ein Silvesterkracher, der jedoch unter dem eigenen PKW
explodierte, worauf die Benzinleitung zerborsten ist und der
ausgelaufene Treibstoff Feuer gefangen hat...)
Der Angsthase hoppelte oder hoppelt also - und der Mensch war
oder ist in Alarmbereitschaft. - Angst ist, wie man sieht, ein
Gefühl, von dem prinzipiell das Leben abhängt.
Auch noch in unserer heutigen Zeit.

Sie sehen - der Angsthase in uns hoppelte schon unseren
Urahnen in der Steinzeit durch die Gedankengänge.
Genau dieser Hase hat Ihnen schon oft den Hals und mehr
gerettet...


Doch - so fragen Sie sich nun - was ist krankhafte Angst?
Die Antwort finden sie hier.

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