Nunavut

Nunananuk – Eisbärenland...

Es war einmal ein kleiner Bär, der liebte so den Winter sehr.
Den weißen Schnee, die klare Luft, das Knirscheeis, den Winterduft.
Eisespfoten, Schneekristall, Toben und Schneeknisterfall.
Herrlich – dieses weite Land – in dem man Frost fast immer fand.
So stapfte gern – der kleine Bär – mit seiner Mutter froh umher.

Doch eines Tages – es war Winter in Nunavut – im Bärenland –
da war der Weg abrupt zu Ende, vor ihnen sich das Meer nun fand.
Die Mutter stutzte, sie stand da. "Was ist dort los, ist denn das wahr?
Nur Sikuliaq, nur junges Eis. Kein Weg ist mehr hier weit und breit."
"Mama, lass uns einfach gehen. Dort hinten ist doch Eis zu sehen!",
so sprach der kleine Bär und zeigte mit seiner Tatze in die Weite.
"Wir müssen dorthin ziehn' – mein Sohn. Da wartet unser Essen schon."
Sie zeigte auf das weite Meer, das ängstigte den Bären sehr.
Denn schwimmend konnten beide Bären doch nie das Meer hier überqueren.
'Frischen Fisch fischt Fischers Fritz – auch, wenn er sonst gar nichts besitzt!'
So besagte eine Sage – aus den Zeiten frührer Tage.
Nun standen beide Bären da – der Fisch war weg, das Eis sogar!
"Wo ist es hin – das Eis? - Verschwunden?", fragte der Sohn ganz unverwunden.
"Es ist zu warm, mein lieber Sohn – geschmolzen ist’s im Winter schon."
Wie konnt' das sein – wie war es möglich? – Im Land des Winters! – Unerträglich!

Die Mutter sah mit müdem Blick zum Himmel hoch – die Zeit zurück.
"Am Himmel steht der große Bär. Es ist zwar wirklich lange her.
Doch jener Bär, er prophezeite, das was geschehen ist grad heute.
'Das Eis – es wird ganz wässrig sein. Der Fisch – er flieht – kommt nicht mehr heim.
Die Wärme steigt, der Hunger groß – ihr könnt nicht bleiben. Zieht gleich los!',
so sprach die Mutter an dem Orte des großen Bären' weise Worte.

Drum brachen auch die beiden auf – folgten nun dem Sternenlauf.
Der Stern dort in des Nordens Land – der auch Polarstern wird genannt –
ein Blick zu ihm – zu Niqirtsuituq – und Mutter sprach von den Inuk.
"Zwei Beine nur im Aufrechtgang – so gehen sie auf Bärenfang.
Einst waren Bären und der Mensch durch keine Eigenschaft getrennt.
Wir waren gleich – die selbe Art. Wir sprachen ihre Sprache gar.
Doch eines Tages kam ein Mensch, und rief, er sei doch klar
der Beste auf dieser Welt, in diesem Land, da habe er Platz 1 doch feste.
Und er bekämpfte Artenbrüder – verfolgte, schlug sie immer wieder.
Der große Geist – auch Gott genannt – der wacht über dem Bärenland,
der war erbost über den Hass, den Angriff ohne Unterlass.
Er stoppte ihn und hob zur Warnung die beiden hoch, und band zur Mahnung,
die zwei fest ans Himmelszelt von Nunavut – der Bärenwelt.
Zum großen Bär am Dach der Welt hatt’ sich der kleine nun gesellt.
Orion – der Mensch und Jäger – steht daneben. - Niemals geht er.
Doch brachte diese noble Tat keinen Frieden Tag für Tag.
Mein kleiner Sohn – ja unser Gang, er wird gefährlich und sehr lang.
Die Zweibeiner in unsrer Zeit sind meistens nur zum Kampf bereit.
Sie sprechen nicht mit uns – mein Sohn. Sie warten mit der Flinte schon.
Und doch – was bleibt, wenn unsre Welt wie Schnee in sich zusammenfällt?
Wir müssen weg vom Norden ziehen, in andere Gebiete fliehen."
Mit schnellen Schritten zogen Beide drum in die unbekannte Weite.
Geleitet von dem Bärenauge – das schweifförmig vom Himmel schaute –
trieben sie ganz ewig lang, auf Eisschollen im Meer entlang.
Und stießen vor weit in die Ferne – sie wuchs schnell an, die Sommerwärme.
Plötzlich sahen beide Riesen, auftauchen aus Meerestiefen.
Langsam schwamm einer heran – und er sprach sie einfach an!
"Seid ihr Menschen? – Dann dreht ab! Denn sonst reißen wir euch glatt
in die Tiefe unsrer See – ihr tut keinem von uns weh!"
"Nein – wir sind nur Eisesbären, ich kann alles Dir erklären.
Unser Land beginnt zu schmelzen und das Wetter sich zu wälzen.
Darum ziehn wir in den Süden – leider können wir nicht fliegen."
"Gut – ich lass euch weiter wandern, doch versucht nicht mal den andern
auch nur ein Stück Haut zu ritzen – ich werd sie bis zum Tod beschützen!",
sprach sehr misstrauisch der Wal – tauchte ab und blies noch mal
eine große Wassersäule in die Höh – gab mit Geheule,
seiner Family Bescheid, dass die beiden Bären heut
durch das Wasser weiter treiben – man sollte sich drauf vorbereiten,
dass ein Angriff bald erfolge. Der Wal ihnen nicht trauen wollte...
Doch man ließ die beiden ziehen – vor der großen Hitze fliehen.

Am Festland endlich angelangt, zogen sie durchs Unbekannt.
Weitre Monde warn gezogen – über ihren Himmelsbogen,
als die Bären Menschen trafen, die nicht schwer bewaffnet waren.
Doch sie schrieen, als sie sahen, worauf sie grad gestoßen waren.
"Eisbär! Eisbär! Wie kann das sein?" – riefen sie und liefen heim.
Schnell weiter zogen beide schon – die Eisbärmutter und ihr Sohn.

Der wunderbare grüne Wald – er schwand sehr bald dem kahlen Land,
das nur bebaut von Inuk-Türmen, die das Grün – so wie nach Stürmen –
umgerissen und begraben unter ihren grauen Farben.
Zum Glück war Nacht und keiner sah die Bären mit dem weißen Haar.
So trabten jene weißen zwei – an Flimmerkisten still vorbei.
Dort war zu sehn ein brauner Bär, der offenbar gefährlich wär’.
Drum jagte man das braune Fell – die Mutter drückte rasendschnell
die Pranken auf Sohnes Augen – sie konnte es nicht wirklich glauben.
Und wollte auch in keinem Fall, dass ihr Sohn hörte den Knall,
mit dem Inuk den Bär erschoss – und später seinen Fang genoss.
Schnell ging sie weiter mit dem Sohn und traf auf neue Kästen schon.
Dort flimmerte – man glaubte kaum – ihr Bärenland fast wie im Traum.
Man sah ganz deutlich, wie es schmolz – das Eis – der Wintergeister Stolz!
Dann zeigte man auch die Gesellen, die jenes mit dem Eis anstellen.
Graue Lüfte, braune Winde, die stiegen auf wie Teufels Kinde.
Genauso so hatt’ der große Bär – vor langer Zeit, sehr lang war's her –
berichtet, wie es kommen würde – wie die Arktis mal verstürbe.
Böse Geister würde Inuk – steigen lassen in die Luft.
Feuerflammen lodern lassen, mit den Gasen Eis verblassen.
Sauer machen Luft und Meer – schon bald gab es das Eis nicht mehr!
Schnell beeilten sich die Beiden – schutzsuchend in Wälderweiten,
die an kleinen, schmalen Eckchen sich noch in die Höhe streckten.

Erneut vergingen wieder Zeiten, bei jenem Marsch durch große Weiten.
Am Tag versteckten sich die Bären in dichten Büschen, Tonnen – leeren.

Auf einmal kamen unsren Bären sehr heiße Winde in die Quere.
Sand – er türmte meterhoch. Die Hitze, sie war riesengroß.
Keine Tonne war zu sehen, in der das Fressen ließen stehen
die Inuk – Menschen – was zu viel, warfen diese in den Müll.
Doch jener Müll – der Bären Futter – war nicht zu sehen, so blickte Mutter,
traurig runter auf den Kleinen – er glaubte gar, sie würde weinen.
"Ein Sandkorn – lieber kleiner Bär – das brennt im Auge wirklich sehr."
Doch wirklich brannte es im Herzen – der kleine Bär, er spürte Schmerzen.
Mit letzter Kraft – so schoben sich – die Bären durch das Sanddickicht.

In der Ferne kämpften Wesen, es waren Zweibeiner gewesen.
Sie jagten und sie schlugen sich – und Mutter Bär, die grämte sich.
"Was machen die – warum denn das? Macht das denn Sinn – Gewalt und Hass?"
Die Bärin schüttelte den Kopf – "Gewalt ist niemals gut, bei Gott!
Der Untergang sind Hass und Krieg – sie töten jeden Freudentrieb!"
"Doch warum tun sie sich das an?", sprach der kleine Bär sodann.
"Das ist die Frage – doch nicht dieser Tage!
Lass uns ziehen – junger Bär! In die Ferne einfach fliehen."

Erneut verging sehr lange Zeit – das Eis, es war nun nicht mehr weit.
Die Bärin roch die Fluten schon und blickte zu dem kleinen Sohn,
der nun gewachsen war schon sehr. Er war recht groß und auch recht schwer.
Wieder an den Meeresküsten, wussten sie, dass sie jetzt müssten
dieses Meer noch überqueren, doch warn sie schwach – die beiden Bären.
Schwimmen konnten sie nicht mehr – und blickten zu dem großen Bär
am Himmel – weisend in den Süden – wie sollten sie das Land dort drüben
erreichen so ganz ohne Wunder? Und sie warn 'platt wie eine Flunder',
als sie sahen dass der Geist – wie der denn nun immer heißt –
tatsächlich ihnen Hilfe bot in allergrößter Lebensnot!
"Schnell – dort treiben Holzbaumstämme! Lass uns springen in die Flut.
Wir werden uns an diese hängen – an jenes schöne Meertreibgut!".
So trieben sie gar mit den Beinen von den Bäumen in die Weiten.

Sehr bald erreichten sie das Ziel – das Eis war da. - Doch auch nicht viel!
Auch hier war's warm – doch war es besser als Nordpoleis, das schon verwässert.
"Was ist nur los?", sprach er zur Mutter, während sie verspeisten Futter.
"Warum ist denn der Mensch so dumm und bringt nicht nur uns alle um?
Denn er tötet auch dabei – sich selbst – ist ihm das einerlei?"
"Einst sprach davon der große Bär – er sagte, das ist keine Mär:
'Es sind des Menschenwesens Kinder, die etwas verändern können!
Die eigentlichen Umweltsünder sind ausgewachsen und sie rennen
vor der Wirklichkeit davon – in Wahrheit sind die Kinder schon
der Hoffnungsträger ihrer Art. Die können ändern jeden Tag
ihr Handeln und daran auch denken, dass sie Gerechtigkeit so schenken.
Dass sie etwas ändern können, wenn sie ihre Ziele kennen.
Es ist wichtig zu beginnen, etwas zu wollen, zu bestimmen.
Jeder kann was Gutes tun – wenn er ohne auszuruhen
für die Umwelt und das Tier – eintritt wie ein Kämpferstier.
Jeder kann die Erde retten – er darf sich nur nicht feig verstecken
vor den vielen, die da sagen, in jenen Geiz-Ist-Geiler-Tagen,
dass Umwelt, Tierschutz Unsinn seien. Von diesem Vorurteil befreien
muss sich jedes Menschenkind – dass es so schützt Bär, Huhn und Rind.
Dass es dem Bären-Mensch-Gespann vom Himmel steigen hilft sodann.
Orion und kleiner Bär bekriegen sich so niemals mehr.
So wird befreit der Geist der Welt – der Umweltschützer wird zum Held...!'"

Zurück zur Übersicht

Zurück zur ersten Seite