Der alte Mann

Ein alter Mann.
Er sitzt da!
Stunden!
Er sitzt nur da und starrt hinaus!
Der alte Mann starrt hinaus und schweigt.
Er schweigt!
Kein Wort! Keine Bewegung! Kein Laut!
Nur Stille! Totenstille!

Ein junger Mann mit Ohrhörern kommt vorbei, bleibt stehen!
Er steht!
Minuten!
Der junge Mann steht da und blickt irritiert hin und her.
Es dröhnt aus seinen Ohren.
Musik hallt, der junge Mann hört jeden einzelnen Ton.
Er hört Musik in seinen Ohren!
Sein Blick bewegt sich zu dem Alten, dann in die Leere, in die der Alte starrt.

Der junge Mann wartet nur einen Moment.
Er geht weiter!
Er hört Musik und geht weiter! Ohne ein Wort!
Der junge Mann geht ohne ein Wort weiter!
Nach Hause!

Die Nacht vergeht, ein neuer Tag!

Der junge Mann kommt an der Bank vorbei.
Der Bank, auf der der Alte saß.
Wieder sitzt der Alte dort.
Der Alte sitzt auf der Bank und starrt!
Und er schweigt!
Kein Wort!
Starren! Totenstarren!

Der junge Mann geht zu ihm ihn.
Er greift ihm an die Schulter!
Der junge Mann greift dem Alten an die Schulter!
Der alte Körper ist steif.
Steif vom starren!

Der junge Mann fragt.
Er fragt nach dem Befinden des Alten!
Der junge Mann fragt den Alten, wie es ihm geht!

Der alte Mann schweigt, starrt ins Nichts!
Er löst sich!
Der Blick des Alten löst sich!
Er wandert langsam!
Sehr langsam!

Worte folgen seinem Blick!
Sie wandern zu den musikerdrönten Ohren des Jungen.
Die Worte treffen.
Die Worte des Alten treffen auf die Ohren des Jungen.

Was er von ihm wolle!
Der Alte fragt den jungen Mann, was er von ihm wolle!
Der Junge stockt.
Dann antwortet er.
Der junge Mann antwortet dem Alten, er wolle sich nach seinem Befinden erkundigen.
Weil er da so ruhig sitze und starre!
In die Leere starre.

Ob er denn hier nicht sitzen dürfe.
Der Alte fragt, ob er denn hier nicht sitzen dürfe!
Der junge Mann bringt seinen Kopf näher zu dem Alten.
Er antwortet.
Der junge Mann antwortet dem Alten.
Natürlich dürfe er sitzen!
Der Alte dürfe selbstverständlich hier sitzen.

Der Alte blickt wieder in das Nichts.
Der Junge setzt nach.
Warum er denn hier herumsäße.
Ob er denn nichts zu tun hätte.
Der Junge fragt den Alten, ob er denn nichts zu tun hätte.

Der Alte blickt wieder zu dem Jungen.
Er antwortet.
Der Alte antwortet.
Natürlich habe er etwas zu tun.
Er tue doch etwas!
Er beobachte und höre zu.
Der Alte sagt, er beobachte und höre zu.

Der Junge blickt sich um.
Er scheint verwirrt!
Der Junge fragt den Alten.
Er fragt den Alten, was er denn beobachte und was er belausche.

Verständnislosigkeit!
Der Alte blickt den Jungen verständnislos an.
Na das!
Der Alte bewegt die Hand von links nach rechts und sagt, er lausche und beobachte das!

Der Junge blickt den Ergrauten an.
Verwirrt!
Was?
Der Junge fragt verwundert, was.

Der Alte wiederholt seine Gestik und seine Aussage.
Der alte Mann deutet rundherum und sagt, er beobachte das!

Der Junge schaut sich verwundert um.
Aber da ist Nichts und es herrscht Stille!
Der junge Mann sagt, da sei nichts und es herrsche stupide Stille!

Der Alte schüttelt den Kopf!
Er verneint!

Der Junge fährt fort.
Er fährt fort mit seiner Ausführung.
Der junge Mann fragt den Alten.
Er fragt den Alten, ob er denn keinen Fernseher hätte.

Doch, antwortet der Alte nur knapp.
Aber er sei lieber hier.

Mitleid!
In dem Jungen keimt Mitleid!
Der Alte muss einsam sein!
Dieser alte Mann muss einsam sein!
Deshalb sitzt er hier herum.

Ob er denn keine Lust hätte, ins Kino zu gehen.
Oder ins Theater.
Der Junge fragt den Alten, ob er denn keine Lust hätte, ins Kino oder ins Theater zu gehen.

Der Alte antwortet.
Er antwortet, das sei sein Kino und sein Theater.

Der junge Mann wird es leid!
Er wird es leid, dass der Alte keine Hilfe will!
Dass er keine Hilfe annimmt.

Hier herrscht stupide Stille und dort draußen ist nichts!
Der Musik hörende Junge sagt zu dem Alten, es herrsche stupide Stille und dort draußen sei nichts!

Der Alte blickt den Jungen an.
Er blickt den Jungen an und antwortet.
Der Alte antwortet auf die Bemerkung des Jungen.
Er antwortet, Dein Nichts ist eine Blumenwiese und das Bienensummen die stupide Stille!

Summen?
Der Junge hört angestrengt!
Doch er hört nichts!
Summen?
Der Alte muss verrückt sein! Absolut verrückt!
Der Junge sagt sich, der Alte müsse vollkommen verrückt sein.
Eine Blumenwiese – mehr ein Feld mit Unkraut!
Aber ein Summen?

Letzter Anlauf!
Der Junge unternimmt einen letzten Versuch!
Er fragt den Alten.
Der Junge fragt den Alten, warum er keine Musik höre.

Der Alte blickt zu dem Jungen.
Sein steifes Gesicht verformt sich und lässt ein Lächeln erkennen.
Der alte Mann antwortet.
Er lächelt und antwortet dem jungen Mann auf die Frage.

Der Alte deutet auf die Ohrhörer des Jungen, die aus den Ohren heraus hängen und ihre Signale abgeben.
Ich höre gerade keine Musik!
Ich höre keine Musik, weil ich das Summen und die Stille hören können will!

Er geht!
Der junge Mann geht und blickt in das Nichts.
Der Junge geht, blickt in das Nichts und hört vor lauter Tönen die Tonleiter nicht mehr…

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