Wer hat Angst.de

Wie entsteht die Angst?

Eine Angstreaktion hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im Mittelpunkt steht der so genannte Mandelkern, auch Amygdala genannt. Es handelt sich dabei um einen uralten Bereich des Gehirns. Dieser hat bei der Entstehung von urtümlichen Gefühlen wie Wut, Angst und Trauer, einiges mitzureden. Genau genommen werden in dieser Region des Gehirns u.a. traumatische, kritische, gefährliche oder einschneidende Erlebnisse gespeichert.
Der Mandelkern prüft in jeder Situation genau, ob diese mit einer gespeicherten übereinstimmt. Ist das der Fall, reagiert er instinktiv und binnen Millisekunden. Dies geschieht durch Nervenreize, die an verschiedene Bereiche des Gehirns abgegeben werden. Da wäre der laterale Kern zu nennen, der paraventrikuläre Kern des Hypothalamus oder das zentrale Grau.
Die Folge dieser neuronalen Signale ist eine instinktive und umgehende Handlung. Oftmals ist es nämlich geradezu existentiell wichtig, schnell zu reagieren.
Das beste Beispiel: Wir fassen versehentlich auf eine heiße Herdplatte, spüren die Hitze, und erkennen vielleicht auch noch mit den Augen unsere Hand auf diesem rotglühenden Bereich. Blitzschnell ziehen wir die Hand beiseite, ohne dass wir lange darüber nachdenken. Denn der Mandelkern hat gespeichert: Heiße Herdplatten sind schmerzhaft, sorgen für Brandverletzungen und sind alles andere als gut - außer fürs Essen kochen. Denn wir haben uns ja schon mal daran die Finger verbrannt, und unsere Eltern haben uns diese Gefahr auch immer und immer wieder eingetrichtert.
Hätten wir nicht den Mandelkern, müssten wir erst mit dem rationalen Denken prüfen, warum es denn hier so nach verbranntem Fleisch riecht, die Hand schmerzt und plötzlich heiß ist.
Bewerten und Nachdenken kosten Zeit. Und bis zur Reaktion könnten Teile des Handtellers bereits gar sein...

Man kann also zu Recht sagen: Im Mandelkern steckt ein Teil unseres Überlebensinstinkts. Angst und Wut hängen eng zusammen. Dies hat einen guten Grund, denn Angst bedeutet Bedrohung, und Wut setzt sehr viel Kraft frei.
Auf eine Bedrohung können wir grundsätzlich in drei Arten reagieren: Flucht, Verstecken oder Verteidigung und Angriff.
Der Körper wird binnen weniger Millisekunden auf Hochtouren gebracht. Dazu schüttet die Nebenniere das Stresshormon Adrenalin aus. Dieses erreicht rasch jede Zelle des Körpers und fordert Leistung ein. Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung wird schneller, damit möglichst viel Sauerstoff aufgenommen wird. Die Leber beginnt blitzschnell mit dem Abbau von Glykogen zu Traubenzucker, auch Glucose genannt. Dieser natürliche Kick sorgt dafür, dass die Stoffwechselvorgänge beschleunigt werden. Die Zellen werden besser mit Sauerstoff versorgt, ihre Leistungsfähigkeit nimmt zu – besonders im Gehirn und im Muskelgewebe. Die Muskeln spannen sich an, die Pupillen weiten sich, um möglichst viel Licht einzufangen und damit mehr zu sehen. Gleichzeitig zieht der Körper das Blut zurück in die lebenswichtigen Organe. Dabei werden Hände und Füße kalt, Magen und Darm stellen ihre Verdauungsarbeit weitgehend ein bzw. legen sie auf Eis. Denn das Verdauen hat Zeit – jetzt heißt die Devise erst einmal Überleben. Der Körper ist binnen Millisekunden zu Höchstleistungen bereit, zur Flucht und zur Verteidigung.

Ein perfektes und lebenswichtiges System. Doch was, wenn wir gar keinen Grund zum Flüchten haben? Was, wenn wir uns auch nicht verteidigen müssen? Was, wenn wir vielmehr gerade in der voll besetzten Straßenbahn stehen, oder als Prüfling vor dem Prüfungsausschuss der Handelskammer? Und wenn wir aus dieser Situation nich einfach so flüchten können?
Wir haben praktisch die Handbremse angezogen, während unsere "innere Drehzahl" gerade in den roten Bereich gerät und lieber einen Marathon laufen würde.
Dann ist was gehörig schief gelaufen.

Was, das sehen wir auf der Nächsten Seite .
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