Fachchinesisch...

Zunächst: Was haben Ängste mit der chinesischen Sprache zu tun?


Ji Jing

Ji Dsching ausgesprochen.
Es ist das weise Buch der chinesischen Kultur, jahrtausend alte Weisheiten wurden darin verewigt, wie die Lehre von Yin und Yang und jene des Feng Shui, das sich heutzutage immer größerer Beliebtheit erfreut.

Eine jener Weisheiten heißt


shou zhu dai tu
, was soviel bedeutet, wie

"Den Baum beobachten, um den Hasen zu fangen."

Und weiter - denken Sie? Ist damit etwa der Angsthase gemeint?
Oder hat diese Weisheit überhaupt nichts mit der Angst zu tun?

Sie hat! Sie beruht auf einer alten Geschichte, die durch die Jahrtausende überliefert wurde und stammt aus der Provinz Song von einer Zeit, über 2.000 Jahre vor unserer Zeit.
Und sie ist eine verblüffend einfache Parabel zum Thema "Angst".

Dazu kurz die Geschichte von damals:

Wie so oft arbeitet ein Bauer, bestellt seine Reisfelder und sieht im Vorbeigehen, wie ein Hase wie wild an ihm vorbeihoppelt, gegen ein Baum läuft und regungslos liegen bleibt. Er hat sich das Genick gebrochen und der Bauer hat ein Festmahl.
In den nächsten Tagen bleibt er erwartungsvoll an jenem Baum stehen und wartet darauf, dass ein neuer Hase - ob nun freiwillig oder unfreiwillig - gegen den Baum läuft. Doch er hat kein Glück und als er sich nach einiger Zeit wieder seinem Reis widmen will, stellt er fest, dass die Reispflanzen vertrocknet sind...

Eine traurige Geschichte! Und es ist etwas Wahres dran - auch in Sachen "Angst".
Ein Angstkranker handelt allerdings aus einem krass gegensätzlichen Streben heraus. Er blickt nämlich gespannt auf jene Situation, die ihn geängstigt hat. Und bei ihm läuft auch der Prozess anders ab - der Angsthase will jedes Mal mit dem Kopf durch die Wand - und nicht nur gegen den Baum...
Aber das Resultat ist gleich. Ein Angstkranker beobachtet so lange den Angsthasen, bis auch seine Ernte - sein Leben - vertrocknet ist. Und alles nur, weil er den Baum beobachtet, mit dem der Angsthase so gerne kollidiert.

Und dann: Das wahre "Fachchinesisch" - die verschiedenen Angsttypen...

...denen auch allen eines gleich ist.
Sie wirken im Prinzip mit dem gleichen, oben beschriebenen Mechanismus.

Angstauslösende Situation (Startsingal für den Angsthasen), angstauslösender Gedanke (der Hase rennt), körperliche Symptome (der Hase kollidiert), Wahrnehmung der körperlichen Symptome (neues Startzeichen für den nächsten Angsthasen), neue furchterregende Gedanken (Hase rennt), neue Symptome (Kollision)...
Oftmals ein fataler und spiralenförmiger Teufelskreis.

Doch vor was - um Himmels Willen - kann man Angst haben?

Nun, es gibt derart viele Phobien, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen könnte. Hier ein paar Beispiele:

- Alliumphobie ist die Angst vor Knoblauch
- Hippopotamomonstrosesquipedaliophobie die Angst vor langen Wörtern
...und man stelle sich vor...
-Paraskavedekatriaphobie nennt es sich, wenn man Angst vor einem Freitag dem 13. hat.

Doch das sind eher die exotischen Phobien. Sie schränken in der Regel den Betroffenen nur bedingt oder gar nicht ein. Und vor allem kann er den angstauslösenden Situationen gekonnt und ohne größere Einschränkungen in der Lebensqualität aus dem Wege gehen.

Was ist jedoch mit der Angst vor Krankheiten oder vor Verletzungen?
Krank kann man immer werden und ein Fall für den OP oder zumindest die Blutabnahme ebenso.
Hier ist es äußerst ungünstig, wenn ein Betroffener panisch den Behandlungsraum verlässt, wenn ihm ein Arzt beispielsweise Blut abnehmen möchte. Hierzu seien auch jene armen Menschen gezählt, die sich nicht zum Zahnarzt trauen und aus diesem Grunde heftigste Zahnschmerzen über sich ergehen lassen, bis der Nerv das Zeitliche gesegnet hat und das schmerzende Signal verschwunden ist. - Und oft am Ende auch der betroffene Zahn vor den Karies-Bakterien kapituliert hat...

Dann gibt es die bekannten Angstherde, die in Fahrstühlen oder aber auf hohen Türmen entstehen.
Ängste hiervor lassen sich dadurch kompensieren, dass man entweder zu Fuß den Weg ins höher gelegene Stockwerk zurücklegt, oder, dass man einfach hohe Gebäude meidet - sowohl bei Platz-, als auch bei Höhen-Phobikern.

Ebenso gibt es ja auch noch jene, die panische Angst vor Ansteckung haben. Flaschenweise Desinfektionssprays sind nicht gerade der Gesundheit zuträglich. Und bei jedem Anfassen von Türen in öffentlichen Einrichtungen die Hände zu waschen, lässt die Haut nicht nur austrocknen, sondern vor allem entwickelt sich sehr schnell ein Zwang daraus.

Agoraphobisch veranlagt sind jene, die wirklich vor allem Angst haben. Wahre Pessimisten, wenn sie sich in ihrer Hochphase befinden.
Sie sorgen sich über alles und jede noch so unwahrscheinliche Gefahr. Dadurch kommt es sehr schnell zu einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben.
Oft entwickelt sich hieraus auch sehr schnell eine so genannte "soziale Phobie".
Hierbei sorgt sich der Betroffene um sein eigenes Ansehen in der Gesellschaft und vermutet konsequent, dass ihn keiner wirklich mögen könnte. Kein Wunder - hat er doch meist selbst eine schlechte Meinung von sich selbst...
Zu langweilig, zu öde, zu helle Stimme, zu dunkle Stimme, zu dick, zu dünn, zu uninteressant - schlicht zu schlecht für diese Welt.
Begünstigt wird dies alles noch durch unsere Gesellschaft. Internet und Versandhandel ermöglichen es beinahe, authark von der Gesellschaft sein Leben zu verbringen. Sprechen muss man nicht mehr mit einer Person - man kann ihr schnell mal eine E-Mail oder einen SMS schicken. Behördengänge, Einkäufe,... - einfach große Aufgaben des täglichen Lebens lassen sich unpersönlich erledigen.
Das Einzige, was oft nicht möglich ist, ist von zu Hause zu arbeiten. Aus diesem Grund verlieren Sozialphobiker oftmals auch ihre Arbeitsstelle oder es ist eine Qual für sie, am Arbeitsplatz ihre Frau/ ihren Mann zu stehen.
Wenn sie denn überhaupt geregelter Arbeit nachgehen, denn ist die Angst schon in jungen Jahren ausgebrochen, so ist es möglich, dass die Betroffenen nur einen schlechten oder gar keinen Schulabschluss vorzuweisen haben. Denn Prüfungsangst und Ängste in der Schulklasse sorgen oftmals für schlechte Endnoten.
PISA lässt grüßen...
Sozial-Phobiker trauen sich nichts zu, leben zurückgezogen und sind nicht gerade redselig. Obwohl sie mehr zu erzählen hätten, als man glaubt.
Stille Wasser sind nun einmal nicht nur nass - sondern auch tief...

Was Ängste bewirken können und wie sie "funktionieren", lesen Sie in meinem kleinen Angstprotokoll. Klicken Sie hier

Doch lassen Sie sich noch einmal eines gesagt sein...


shou zhu dai tu

Den Baum beobachten, um den Hasen zu fangen bedeutet noch etwas anderes...

Wenn ein Hase gegen einen Baum läuft, so heißt dies nicht, dass alle Hasen ihm folgen werden. Jedem Hasen steht es frei, sich den Kopf am Baum einzurennen. Er hat die Möglichkeit auszuweichen, einen anderen Weg zu finden.
Kurz gesagt: In China bedeutet die Aussage
"Den Baum beobachten, um den Hasen zu fangen"
vor allem auch, dass alles im Wandel begriffen ist.
Nichts bleibt so, wie es ist.

Auch Ihre Angst muss nicht bleiben! Sie müssen einfach nur Ihren "inneren Schweinehund" dazu bringen, den Angsthasen in eine andere Bahn zu lenken, damit er den Baum nicht mehr trifft...

Sie können es schaffen! Sie müssen es nur wagen!
Fangen Sie noch heute damit an!

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