Fischbach - ein Bericht aus dem Wald...



Tag 1
20.05.2008
Die Anreise war zunächst durch Unsicherheit geprägt. Denn
der zunächst große Optimismus, sehr schnell eine
Übernachtungsmöglichkeit in Fischbach zu finden, schmolz
allmählich dahin. - Entweder wurde uns die Tür nicht
geöffnet, oder aber man musste uns abweisen, da - bedingt
durch den Feiertag "Fronleichnam" am Donnerstag und den damit
potentiell möglichen "Brückentag" - schon sehr viel
andere Reisende auf die Idee gekommen waren, nach Fischbach zu
fahren.
So waren wir zunächst über zwei Stunden unterwegs, bis
wir endlich - mit Hilfe freundlicher Einheimischer - eine
wunderschöne Ferienwohnung zum Übernachten gefunden
hatten. Die Vermieter erwiesen sich schon von Anfang an als
sehr nett, die Wohnung als sehr günstig. - Und der Ausblick
aus den großen Terrassentüren war sowieso ein absoluter
Genuss für die Augen. - Man sah den Garten des Hauses, hinter
welchem sich eine Wiese und daran folgend der Wald anschloss.

Nach kurzer Erholungspause von der Anreise machten wir uns auf den
Weg, schlenderten ein wenig in dem etwa 1600 Bewohner
zählenden Dorf umher, orientierten uns und fanden auch sofort
Bäckerei, Metzgerei und einen kleinen Supermarkt.
Nachdem wir nun wussten, wo man Essen und Trinken kaufen konnte,
konnte die "Tour de Natur" inmitten des Biosphärenreservats
"Pfälzer Wald - Nordvogesen" beginnen.

Unser erster Rundgang führte uns dann auch zur
größten Attraktion von Fischbach - dem "Biosphärenhaus".
Das Gebäude selbst wurde inmitten des Waldes angelegt - auf
einem Gebiet, in dem die Menschen noch vor einigen Jahrzehnten
in einem Steinbruch arbeiteten.
Das Haus ist schon von weitem inmitten der Bäume zu erkennen -
nicht zuletzt auch durch die gewaltigen Solarmodule auf dem Dach.
Durch diese wird ein großer unterirdischer Wassertank mit
130.000 l Wasser beheizt, welcher das Gebäude mit Energie
versorgt. Im Winter, wenn die Energie der Sonne zu schwach ist,
nutzt man zur Erwärmung des Wassers dagegen eine
Wärmepumpe.

Bereits im Umfeld des Biosphärenhaus erkennt man Sinn und
Zweck des Bauwerks:
Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung.
Man bietet dem interessierten Besucher mannigfaltige Informationen
über die Natur, ihre Wirkmechanismen, über Bewohner von
Wald, Wiese, Wasser und Luft. - Und nicht zuletzt auch über
den Umweltschutz. Zugleich gibt wird ein kleiner Einblick in die
Geschichte gewährt.
Vor dem Gebäde steht bereits das vielleicht 3 Meter lange Modell
eines Pflanzen fressenden Dinosauriers. Auch findet man einen
kleinen Einblick in den "Burggarten", der zur Zeit des Mittelalters
die Grundlage für die Versorgung mit Lebensmitteln,
Heilpflanzen und Duft-/ Färbepflanzen war. - Alaune, Liebstock,
Lavendel, Rosmarin,… Man kann die Pflanzen nicht nur auf Tafeln
bestaunen. Vielmehr findet man sie in einzelnen Gruppen saftig
grün in wunderschön angelegten Beeten wieder. Auch hat
man eine "Blumenuhr" installiert. Dazu nutzt man den Rhythmus der
Blühpflanzen nach der Entwicklung des Naturwissenschaftlers
Carl von Linné.
Das Prinzip der Blumenuhr: Man pflanzt eine Gruppe morgens
blühender Pflanzen, daneben solche, die mittags und daneben welche
die abends blühen. So entsteht eine Art von Uhr und man kann
aus der Blühaktivität der Pflanzen zumindest die
Tageszeit erkennen.
Auf dem Biosphärenhausrundweg findet der aufmerksame Besucher
weitere, sehr interessante Informationen und anschauliche Beispiele
über die Natur. - Er kann z.B. selbst erleben, wie andere
Wesen die Welt sehen. - Bienen, Insekten, Falken...
Auch lernt man etwas über das Verhalten der Tiere, z.B. die
maximale Geschwindigkeit, die sie erreichen können. Man findet
einen Startpunkt vor. Geht man die Strecke weiter, erkennt man am
Wegesrand Holzmodelle von Tieren und sieht so, wie weit jenes
bestimmte Tier binnen 10 Sekunden - gemessen vom Startpunkt - voran
kommt.
Man erfährt z.B. auch, dass der Wanderfalke so ziemlich das
schnellste Tier ist. Er kommt im "Biosphärenreservat
Pfälzer Wald - Nordvogesen" vor und erreicht im Sturzflug,
wenn er also ein Beutetier entdeckt hat und es fangen möchte,
über 300 km/h!
Ein spezieller Pavillon ermöglicht dem Besucher das Beobachten
der Vogelwelt. Man findet ein Fernglas vor, sowie anschauliche
Informationen, welcher Vogel welches Futter benötigt.
Aber auch die Ruhe sowie der Zauber der Natur an sich werden
vermittelt. - Man lernt beides kennen und lieben, am Wegesrand sind
eigens Hängematten angebracht und man wird gebeten, die
Geräusche und Gerüche des Waldes auf sich wirken, den
Blick durch die Baumwipfel schweifen zu lassen sowie die Spiele von
Licht und Schatten zu genießen.
Man muss wirklich aufpassen, dass man nicht der Ruhe verfällt
und glatt einschläft...
Hat man sich zum Weitergehen entschlossen, findet man ein kleines
Bächlein, das plätschernd zum Verweilen, Genießen
und Entspannen einlädt - inmitten einer sattgrünen Wiese.
- Man bekommt es auch hier nicht leicht gemacht, weiter zu gehen...
Man befolgt gerne die Vorschläge auf den Hinweisschildern des
Rundweges und lässt die herrliche Ruhe auch hier auf sich
wirken.
Bis die Neugierde das Ruhebedürfnis übermannt und man
weiter schlendert - vorbei an Ameisen, die einen alten Baumstumpf
als Grundgerüst ihres neuen Haufens auserkoren haben und
fleißig dabei sind, ihn mit Baumaterial zu
überhäufen und baulich zu gestalten. Man erblickt Enten,
Bachstelzen, Käfer und kunterbunte Schmetterlinge, die den Weg
kreuzen.
Plötzlich tauchen auch zwei große Seen auf, die
früher intensiv zur Fischzucht genutzt wurden. Sie lassen ein Schweifen der
Augen zu. Schilder informieren auch hier darüber, dass viele
künstliche Gewässer (so genannte Wooge) früher in der Region
geschaffen wurden, um eben vom Fischfang leben zu können, geben
Auskunft über Fischbesatz und das Leben im Wasser.
Der Weg geht weiter - immer eingerahmt in sattgrüne Laub- und
Nadelbäume, vorbei an buckligen Wiesen, deren heutige Form aus
der früheren Bewirtschaftung und Bewässerung resultiert.

Übermannt und überwältigt von der wunderbaren
Schönheit der Natur bemerkt man erst, wenn die Sonne hinterm
Horizont verschwindet, dass der Tag sich allmählich dem Ende
zuneigt und Müdigkeit übermannend tief in einem
schlummert...

Kurz gesagt: Der erste Tag unseres Urlaubs war vorüber.
Die Nacht legte sich entspannend über die Region und die
Spannung war groß, ob der Entdeckungen, die uns noch
bevorstehen würden...


Tag 2
21.05.2008
Der Tag begann nach einer unruhigen Nacht. - Landluft macht
müde - aber vielleicht auch schlaflos? Vielleicht war ja auch
der Vollmond schuld.
Wie dem auch sei führte uns der Weg heute in das
Biosphärenhaus, nachdem wir am Tag zuvor seine Umgebung
erkundet hatten.
Das mehrstöckige Gebäude zeigt von außen nicht,
was tatsächlich in ihm steckt. - Nämlich geballte
Spannung für Groß und Klein, viel Informationen und eine
liebevolle Einrichtung. Man erfährt vieles über das
"Dahner Felsenland", in dem Fischbach liegt. - Felsenland deshalb,
da die Landschaft geologisch gesehen "auf Sand gebaut" ist. Genauer
gesagt auf Sandstein, der an vielen Stellen in herrlichen und
gewaltigen Formationen in die Landschaft und aus dem Walde ragt.
Und man liest, sieht und hört so allerlei über die Tiere
und Pflanzen des Waldes, der Flüsse und Seen. Die Region
"Pfälzer Wald - Nordvogesen" weist eine sehr große
Anzahl an natürlichen Quellen auf. Es wird anschaulich
erklärt, wie so eine Quelle zustande kommt und man sieht
in anschaulichen Modellen, welche unterschiedlichen Quellarten hier
existieren. Sturzquellen ähneln einem kleinen plätschernden "Wasserfall",
während Sumpf- und Sickerquellen ohne laute Geräusche
einfach auftauchen. Springquellen funktionieren, wie kleine
"Geysire" und es quillt aus ihnen mehr oder weniger dauerhaft das
Wasser fontänenartig aus dem feuchten Boden.
Über Fische und Unterwassertiere erfährt man ebenso
einiges, kann sich über anschauliche Tafeln und Animationen
über das gewünschte Tier informieren. Kurze Videosequenzen
runden das Angebot ab. Auch die Säuger, die im oder am Wasser leben
(Biber, Nutria, Wasserspitzmaus, Schermaus) haben einen Platz im
großen "Informationsparcours". Man erfährt sehr interessante Fakten. -
Wussten Sie z.B., dass die Wasserspitzmaus ihre Beute
mit Hilfe von Gift tötet? - Tiere, bis in Froschgröße.
Auch über Amphibien wird sehr interessant informiert, es gibt
eigens eine Konsole, auf welcher man die verschiedenen Arten
auswählen kann. An die Wand wird das Bild eines simulierten
Teiches geworfen. Wählt man nun beispielsweise den
Feuersalamander aus, so kriecht ein solcher aus dem fiktiven Gras,
blickt zum Besucher, es ertönt sein Ruf, und er verschwindet
im virtuellen Wasser. Gleiches gilt für Wasserfrosch,
Teichmolch, Erdkröte und weitere.
Auch Insekten haben ihren Platz nicht nur im ökologischen
System, sondern auch im Biosphärenhaus.
In diesen Breiten findet man etwa den 10 mm großen
Ameisenlöwen, der eine Art von Erdtrichter-Falle baut, dort
eine Ameise hinein lockt, sie hier überwältigt und
verspeist.
Führt man seinen Rundgang fort, versperren dicke
Vorhänge die Sicht. Geht man durch die Vorhänge hindurch,
tappt man einige Sekunden tatsächlich fast im Dunkeln. - Man
ist im Raum der Nachttiere angekommen. An der Wand sieht man eine
weitere Projektion. - Genauer eine Animation des Waldes in der
Nacht. Hier schleicht ein Dachs umher, dort läuft ein Igel
oder ein Fuchs. Im Hintergrund sind typische Geräusche des
Waldes in der Nacht zu hören. Rundherum findet man kleine
Schaukästen, in denen Eule, Uhu, Kauz und andere nachtaktive
Wesen zu sehen sind. Man kann sich ihre Rufe anhören,
erfährt mehr über Fledermäuse und ihre Lebensweise.
Dies ist nach meiner Ansicht einer der absoluten Höhepunkte des
Biosphärenhauses. - Jedoch bei weitem nicht alles. - Es gibt
noch viel mehr Unglaubliches zu entdecken und ich empfehle jedem
Naturliebhaber den Besuch dieses wunderschönen Hauses! Wer es
nicht besucht, wird etwas verpassen!

Doch das Gelände des Biosphärenhauses hat noch weiteres
zu bieten. - Ein Baumwipfelpfad mit festen und abenteuerlich
wackligen - aber durch ein Netz abgesicherte - Holzpfade.
In vielen Metern Höhe führt der Pfad den Besucher zu den Spitzen der
Bäume und auf eine weitere sehr interessante Entdeckungsreise.
Man findet kleine Kästen mit Audio-Sequenzen rund um die
Natur, findet die Möglichkeit, sich Zaunkönig und andere
Tiere anzuhören. Auch Tafeln beantworten Fragen, was es
eigentlich mit dem "Maibaum" und dem "Weihnachtsbaum" auf sich hat,
wie die Jahreszeiten den Wald verändern, und vieles mehr...
Für alle Mutigen und vor allem Schwindelfreien ist der
große Turm zu empfehlen. - Hier klettert man weitere Stufen in die Höhe. -
Auf eine Gesamthöhe von mehr als 20 Metern.
Für Familien mit Kindern ist dieser Baumwipfelpfad - neben dem
Biosphärenhaus selbst - absolut empfehlenswert. Hier haben die
Kinder ihren Spaß, spannende (und auch sichere)
Hangelmöglichkeiten sowie eine lange rohrförmige Rutsche...

Alles in allem war dieser Besuch war ein Highlight des Urlaubes!

Die Mittagszeit brach allmählich herein, weshalb wir auch
zunehmend Hunger verspürten. Daher ging es zum
"Landgasthof Tausendschön". - Ein Name, der nicht nur gut
klingt. Auch das Essen war märchenhaft!
Eine kulinarische Spezialität - ein Salat aus Spargel, Matjes
und weiteren leckeren Gemüse-Zutaten. Dazu ein
naturtrüber sauer gespritzter Apfelsaft. - Einfach Himmlisch!

Und "himmlisch" ging es auch weiter - auf dem Jakobsweg. Ja, Sie
lesen richtig! Auch durch die Pfalz führt dieser sagenumwobene
und neuerdings populäre Weg - ein nördlicher sowie ein
südlicher Teil. Beide sind über 130 km lang und ganz so
weit würden uns die Füße nicht tragen. - Alleine
wegen der begrenzten Zeit, die uns zur Verfügung stand. So
viel war sicher.
Doch einige Kilometer sollten es sein. - Unsere Wanderung begann in
Fischbach und führte uns ins nächstgelegene Dorf
"Ludwigswinkel".
Zunächst herrschte etwas Unklarheit, ob denn der Weg, den wir
eingeschlagen hatten, auch in jenes Dorf namens "Ludwigswinkel"
führte. Die Straßenbeschilderung war etwas irreführend.
Nachdem wir noch einmal umgedreht waren, um einen
Blick auf die Hinweisschilder in Fischbach zu werfen, stellte sich
heraus, dass wir doch in die richtige Richtung gelaufen waren und
wir starteten erneut. - Es lohnte sich...!
Denn unsere Wanderung führte uns an einer wenig befahrenen
Straße entlang - durch Wald, an Wiesen vorbei.
Schließlich stießen wir auf den "Saarbacher Hammer" -
einen großen See mit Hotelkomplex und Campingplatz am Ufer.
Das doch sehr große Gewässer - eingerahmt in
sattgrünen Mischwald - war recht beeindruckend. - Wenn auch
das große Gebäude sowie Campingwagen mit großen
Parabolspiegeln auf den Dächern etwas die Naturidylle
störten.
Der weitere Weg führte an einem "Barfußpfad" vorbei,
eine Minigolfanlage lag ebenso auf der Strecke.
Doch der Weg zog uns in seinen Bann, die Schritte waren schwer
geworden und doch sehnte man sich nach mehr. Denn die Umgebung hier
übte einen ungewöhnlichen Reiz aus. - Auch wenn der
Rücken schmerzte vom schweren Rucksack, die Füße
vom monotonen Gang… - hartnäckig gingen wir weiter. Denn
oftmals ist das Ziel bereits der Weg. Nach einer längeren
Strecke - wieder gesäumt von Wald, Farn und verrottenden
Baumstämmen - stießen wir auf einen mittelgroßen
Fischteich, an dem es sich ein Graureiher gerade gemütlich
gemacht hatte. Schmetterlinge flatterten in ungewohnt großer
Vielfalt, jedoch nicht unbedingt ungewöhnlich viele, umher.
Nach kurzer Rast auf einer Bank unter hohen, alten Eichen, kamen wir
schließlich in Ludwigswinkel an, durchquerten den dortigen
"Kurpark" und traten den Rückweg an.
Nach etwa 3 Stunden und insgesamt 7,6 km hatte uns Fischbach wieder
zurück.
Nach einem Abstecher in den dortigen kleinen Supermarkt gingen wir
zunächst zurück in unsere Behausung, aßen und tranken etwas.
Doch lange hielt es uns nicht drinnen. - Denn draußen in der
Natur tobte noch immer das Leben, sangen Vögel und Grillen
ihre Lieder...
Wir hatten schon am ersten Tag auf einem Felsvorsprung in relativer
Nähe eine weiße Statue entdeckt. - Offensichtlich eine
Marienstatue. Diese sollte unser letztes Ziel des heutigen Tages
sein...
Wir brachen auf und hatten einen schnellen Weg in die Nähe der
Figur gefunden. Doch wir stellten uns die Frage, ob man denn auch
hinauf gehen könnte zu dem sehr groß wirkenden Bauwerk.
Schier in diesem Moment trat ein nett aussehender Mann aus seinem
Haus direkt am Ortsausgang und wir fragten nach dem Weg zur Statue.
Er wies uns den Weg und begann von der Geschichte jener
Statue zu berichten.
Es war in Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Der damalige Pfarrer der
katholischen Gemeinde hatte offenbar die Schrecken des Krieges vor
Augen, wusste, was geschehen konnte. Angst hatte sich in dem Dorf
breit gemacht und er legte ein Gelübde ab. - Sollte Fischbach,
das damals auch einige Industrieanlagen aufwies, verschont bleiben,
so würde er eine große Marienstatue errichten lassen.
Und - das Glück oder Gott waren auf Fischbachs Seite - mehr
als 60 % des Dorfes blieben verschont.
Also ließ der Geistliche jene Figur anfertigen. Am Muttertag des Jahres
1955 sei die Statue eingeweiht worden.
Sie habe aus vier Teilen bestanden und jene seien einzeln mit einem
Flaschenzug in die Höhe gezogen worden. Die Hohlköper
habe man mit 20 mm starken Stahlstiften verbunden und alles mit
Beton ausgegossen.
Jener Mann, der etwa 80 Jahre alt war, hatte damals mitgeholfen und
war sichtlich und zu Recht stolz darauf. Doch er monierte, dass es bis
jetzt noch keine Gedenktafel für den bereits verstorbenen
Pfarrer gäbe, der den Bau der Figur in die Wege geleitet
hatte.
Dankbar über diese Informationen begaben wir uns nun zur
Statue und bewunderten sie in nächstmöglicher Entfernung.
Als wir den Heimweg antreten wollten, wurde ich auf eine
Kleepflanze aufmerksam. - Ein Stängel hatte doch tatsächlich 4 Blätter hervorgebracht…
Ein perfekter Ausklang eines wundervollen Tages...!


Tag 3
22.05.2008
"Verwandlung über Nacht" - so könnte man das absolute
Highlight des Tages umschreiben. Gestern waren einzig einzelne
Fahnen gehisst - aufgrund des katholischen Feiertages
"Fronleichnam". Doch am Morgen dieses 22. Mai fand man - voll
Überraschung - vor etlichen Steinkreuzen Altäre vor. -
Rote Teppiche, vor allem jedoch "Blütenbilder", beeindruckten
uns sehr. Viele Bürger hatten spät abends - ab 23 Uhr -
mit dem Schmücken begonnen und hatten bei Sonnenaufgang wahre
Kunstwerke geschaffen.
Nachdem wir die Werke ausgiebig bewundert hatten, begaben wir uns
einmal mehr in den Wald. - In ein Waldstück, das wir zuvor
noch nicht durchquert hatten.
Hier war deutlich erkennbar, dass der Wald in der Region sehr wohl
wirtschaftlich genutzt wird. Denn Schneisen aus gefällten
Bäumen, am Wegrand gelagerte Baumstämme und tiefe
Spurrinnen - entstanden durch die breiten Reifen großer
Schlepper - waren deutlich zu erkennen und störten ein
Stück weit das Bild satter Naturlandschaften.
Wir drangen weiter in den Wald vor und die Lücken schlossen
sich, bis wir schließlich wieder auf eine Lichtung
stießen und auf einen Weg gelangten, der zurück ins Dorf führte.
Es blieb die Erkenntnis, dass die Region wahre Naturschätze
beherbergt, jedoch auch diese nicht vor Zerstörung
geschützt sind. Zwar lässt man auf "Inseln" im Wald
Todholzhaufen liegen, um einem "natürlichen Wald" somit so nah
wie möglich zu kommen. Doch ein leicht fader Nachgeschmack
bleibt.

Als wir wieder im Dorf angelangt waren, kehrte auch der Hunger
allmählich zurück und wir begaben uns erneut in den
"Landgasthof Tausendschön". Ein Gemüseragout mit Nudeln,
Gemüse der Saison, einer lecker milden Sahnesoße,
überstreut mit Sesam-, Mohn- und Sonnenblumenkörnern... -
einfach lecker!

Gestärkt begaben wir uns nach dem guten Mahl wieder auf den
Jakobsweg. - Nach Schönau sollte die Reise gehen. Es liegt
etwa 4 km entfernt von Fischbach. - Also lag ein 8 km langer Hin-
und Rückweg vor uns.
Wir begaben uns auf den Weg, der nahe einer relativ dicht
befahrenen Straße entlangführt. Der Boden war ungewohnt
sandig - wie bereits in dem Wald zuvor, den wir am Morgen
durchquert hatten. Dies hängt mit der Tatsache zusammen, dass
das gesamte "Dahner Felsenland", in dem Fischbach liegt, aus
Sandsteinfelsen besteht und der Sandstein sich schlicht im Laufe
der Jahrtausende in feinen Sand zerrieben hat...
Jedenfalls ist es ein völlig neues Laufgefühl, geht man
auf einem sandigen Waldboden.
Aufgrund der Nähe zur Straße könnte man vermuten,
dass dieser Weg nicht allzu entspannt und voll Genuss
zurückzulegen sei, wie jene Wege weit ab von Straßen.
Doch ist es nicht so, dass der, der in sich selbst ruht, nur schwer
durch anderes aus der Ruhe gebracht werden kann?
Diesen Spruch sollte jeder beherzigen. - Das ist mir gerade beim
Gehen dieses Stückes vom Jakobsweg klar geworden. Jeder, der
seinen Weg geht. - Sei es auf dem Jakobsweg oder aber
sinnbildlich durchs Leben selbst.
Ich hörte einzig auf meinen Schritt, konzentrierte mich und
erfuhr einen rhythmischen, beinahe meditativen Klang. Die
herrlichen Quellen, die im Waldboden entspringen, befeuchten den
Boden zusätzlich zum üblichen Waldmoder und sorgen somit
für einen wunderbar modrigen Geruch. Die prickelnde Wärme
in den Beinen und die herrliche frische Luft taten ihr
Übriges. - Und die Ruhe kehrte ein...
Ein herrliches Gefühl.

Wieder in unserer Ferienwohnung angekommen gingen wir, nach einer
kurzen Pause mit Brot und Käse, erneut hinaus in die Natur.
Unser Weg führte uns neuerlich an der Marienstatue vorbei, wir
bewunderten blökende Schafe auf einer großen Weide. Und
wir begaben uns auf den "Wasserlehrpfad". Er führt an dem
beschaulichen Flüsschen "Sauer" entlang und erklärt
einiges zum Thema "Wasser". - Klärt auf über die Lebensweise
der Wassertiere. Er berichtet darüber, dass man gezielt
Todholz in den Bachlauf wirft, um für natürliche
Änderungen der Fließrichtung zu sorgen und zugleich
Tieren, die auf derartige Hölzer als Lebensraum angewiesen
sind, ein Plätzchen zu schaffen. Man erfährt sehr viel
Interessantes auf diesem Pfad. - Er sei jedem ebenso an Herz
gelegt, wie Biosphärenhaus und Baumwipfelpfad.
Auf diesem Weg an der Sauer entlang gab es noch mehr zu sehen. - So
fanden wir z.B. eine große Weide vor, deren Stamm über 1 m Umfang
hatte. Sie hatte ein kleines Bauwerk - wahrscheinlich das
Stück eines ehemaligen Brückenpfostens - einfach zur
Seite in die Waagerechte gedrückt. Ein Stück weiter
konnte man in den Gärten einiger Anwohner, frei laufende
Gänse und schwarze Schafe erblicken.
Unser Weg führte uns wieder zurück ins Dorf. - In einem
Gehege stießen wir auf einige junge Rehe. Vermutlich waren es
Findlinge aus dem Wald.
Und nachdem wir eine kurze Verschnaufpause eingelegt hatten,
begaben wir uns um 21:45 Uhr noch einmal hinaus in die
Dämmerung.
Ziel unserer abendlichen Exkursion war - neben der nun beleuchteten
Marienstatue - vor allem eine dort angrenzende Wiese. Denn wir
wollten uns umschauen, ob sich schon das eine oder andere
Glühwürmchen verirrt hatte. - Doch Fehlanzeige!
Dafür gaben uns jedoch einige Fledermäuse die Ehre,
vollführten ihre rasanten Flugmanöver im Licht der
Straßenlampen.
In der Ferne quakten Frösche und in der nahen Wiese zirpten
die Grillen. - Ein herrlicher Ausklang eines schönen Tages.


Tag 4
23.05.2008
Bienvenu…!
Nicht weit von Fischbach entfernt liegt der "Parc du Nord Vosges".
Die Nordvogesen. Diese Strecke legten wir mit dem PKW zurück, da die Entfernung
für einen Fußmarsch zu weit gewesen wäre und die
Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmittel nur mühsam
und nur schwierig zu bewerkstelligen ist.
Die Fahrt führte uns über die kleine Gemeinde
"Petersbächel", durch "Schönau" hindurch und an
"Hirschtal" vorbei. Dabei wurden die Ortschaften immer kleiner, je
näher man an die Grenze kam. - "Hirschtal" besteht aus nur
wenigen Häusern - im Fachwerkstil gebaut.
Die Straße führte am "Saarbach" vorbei - einem kleinen
Bach, hinter ihm liegt dichter Wald.
Am Straßenrand erkannten wir plötzlich ein Schild mit
den 12 Sternen auf blauem Grund und der Aufschrift "Frankreich". -
Schon waren wir in unserem Nachbarstaat.
Kurz nach dieser beinahe unsichtbaren Grenze wurde unsere
Aufmerksamkeit auf einen Panzer gelenkt, welcher - das Kanonenrohr
in Richtung Deutschland gerichtet - da steht, von der Zeit
überlebt.
Im Hintergrund erstreckte sich eine Bunkeranlage - das
Hinweisschild "Ligne Maginot Four à Chaux" besagt, dass es sich um
ein Bauwerk handelt, das nach dem 1. Weltkrieg erbaut wurde. Damals
wurden - um Frankreich vor einem neuerlichen Einfall zu
schützen - eine ganze Reihe militärischer Anlagen
errichtet (Maginot-Linie). So auch der "Kalkofen" - wie dieser
Bunker, der in der Zeit von 1929 - 1939 errichtet wurde.
Dieser Bunker war für etwa 600 Soldaten ausgelegt, war mit
moderner Telekommunikationstechnologie ausgestattet und konnte
autark bis zu 3 Monate lang arbeiten.
Am Ende jedoch fielen die Deutschen unerwartet im Norden in das
Land ein, wo niemand darauf gefasst war. 1940 hatten
die Deutschen das Elsass umkreist und besetzt. - Die Festungen
waren wirkungslos geblieben...
Dieses Fleckchen Erde wirft einen dunklen Schatten
europäischer Vergangenheit auf die Region. - Mir lief ein
kalter Schauer über den Rücken, denn der Panzer sieht
zwar harmlos aus. Doch wie viele Menschen hatte er getötet,
wie viele Familien ins Elend gestürzt?
Zwei Kinder begannen plötzlich, auf den Panzer zu klettern und
hangelten am Kanonenrohr entlang. Die Eltern baten sie, wieder von
dem Gefährt zu steigen und als ich mir das Kanonenrohr
näher ansah, entdeckte ich etwas Beruhigendes. - Etwas, das
alles anders erschienen lies, als zuvor, das die offensichtliche
Zwietracht zwischen Franzosen und Deutschen - die hier deutlich zu
spüren war - wegzuwischen schien...
In seiner Öffnung hatte wohl ein Besucher zwei Blumen
hineingesteckt. - Wenn das kein Zeichen war… - Ein schönes
Bild. Und das nicht nur für meinen Foto-Apparat.

Unsere Fahrt ging nach nur kurzem Aufenthalt weiter - unser Ziel
blieb weiterhin undefiniert. Wir fuhren durch Ortschaften mit den
Namen "Climbach", "Cleebach", "Rott",... - und alle haben eines gemein:
Sie weisen eine hohe Anzahl von alten Fachwerkhäusern und
alten Gemäuern auf, die Kirchen sind sehr klein. - Und in dem
kleinen Dorf "Drachenbronn" stießen wir auf ein
kirchenähnliches Gebäude. Zugleich erschien es jedoch wie
ein gewöhnliches Wohnhaus mit Türmchen und Glöckchen
auf dem Dach. Es waren keine Kreuze oder Kirchenfenster zu
erkennen. Erst ein Herr mittleren Alters, der interessiert an einem
Aushang stehen blieb und so erst die Aufmerksamkeit auf den
Schaukasten lenkte, ließ erkennen, dass es sich wohl um ein
öffentliches Gebäude handelte. Der Blick auf die
Vorderseite des vermeintlichen Gotteshauses offenbarte auch in
einem Schriftzug, um welches Bauwerk es sich handelt… - "Mairie" -
es war kein Gotteshaus, auch kein privates Gebäude. Es war
vielmehr das Haus des "Maire" - des Bürgermeisters...
Das Dorf selbst existiert wohl schon sehr lange - 1298 findet sich
die erste Erwähnung. Die Herkunft des Namens ist nicht ganz
geklärt. Man erzählt sich, er entstamme der Tatsache,
dass einst ein sterbender Drache aus den Bergen an den Dorfbrunnen
gekommen sei, um dort Wasser zu trinken. Jedoch entstammt der Name
wohl noch aus der Zeit, ehe die Franken das Reich kolonisiert
hatten. Damals hieß ein Dorf "Trachenburg" und der Name
entstammt wohl der Tatsache, dass sich das Birlenbächel
in der Höhe von Drachenbrunn dreht oder schlängelt -
trachelt...
Wie dem auch sei stellte sich das Dorf als ein sehr interessanter
Zwischenstopp heraus. - Doch die Fahrt sollte weitergehen.
Die Straße führte uns aus dem hügeligen Wald hinaus
und die Hügel verloren sich in einer flacheren und waldlosen
Landschaft. Dies hier war sicher ein perfekter Aussichtspunkt bei
klarem Wetter. Da es jedoch leicht diesig war, war die Sicht
getrübt.
Wir stießen weiter vor in die deutlich größere
Gemeinde "Lembach" - mit einigen Geschäften und einer
großen Kirche. Hier machte sich auch wieder unser Hunger
bemerkbar, weshalb wir uns in boucherie und boulangerie - Metzgerei
und Bäckerei - begaben, um uns einen original französischen Camembert
und einen Hartkäse, sowie ein großes Baguettebrot zu kaufen.
Mit diesem Proviant begaben wir uns auf den Parkplatz der nahe gelegenen
"Château Fort de Fleckenstein" - der Burg Fleckenstein.
Hier genossen wir das kulinarische Geschmackserlebnis von echtem, knackigem
und leckerem französischen Baguette.
Die Menschen in Fischbach hatten uns berichtet dass es
wohl am Boden des verwendeten Getreides läge, dass französisches
Baguette so gut schmecke.
Selbst Bäcker, die aus dem Elsass nach Fischbach gekommen seien,
um hier ihre Brötchen zu backen, hätten - trotz gleichen Rezepts -
das Geschmackserlebnis eines echten französischen Baguette nicht erreichen können.
Nachdem wir gegessen hatten, führte uns unsere Reise auf den
Rundweg um die Burg Fleckenstein.
Die Burg wurde bereits im 12. Jh. erbaut und Stück für
Stück erweitert. In der Hochzeit der Regentschaft des
Adelsgeschlechts Fleckenstein besaß die Baronnie insgesamt 6 Vogteien -
35 Dörfer. Auch über Drachenbronn herrschte z.T. Fleckenstein.
Die Burg wurde auf einem hohen Felsen errichtet -
die Mauern geschickt in den Sandstein gebaut.
Nichtsdestotrotz wurde das Bauwerk im Jahre 1689 von
französischen Truppen zerstört, Mitte des 18. Jh. erlosch
schließlich auch das Geschlecht Fleckenstein. Geblieben sind
beeindruckende Zeitzeugen einer überwältigenden Baukunst
und Architektur des frühen und späten Mittelalters.
"Le Chateau des Enigmes" - die Rätselburg - ist zudem
für Kinder ein genial gestaltetes Projekt. - Ein Parcours
durch den Wald führt die Kinder spielerisch an die Natur, die
Geologie und die Geschichte heran und nimmt sie mit auf eine
spannende Reise.

Und genau dies war auch unser Urlaub - eine spannende Reise. Der
Elsass bietet sicherlich noch sehr viele weitere interessante Orte.
Doch unsere Urlaubszeit war begrenzt.
Daher fuhren wir zurück nach Deutschland, hier nach Fischbach
und genossen noch einmal die wundervoll ruhige Natur. - Zirpende
Grillen und singende Vögel... - Wir gingen abends in Richtung Petersbächel,
genießend das raschelnde Gras und die summenden Bienen. -
Umrahmt von sattgrünem Nadel- und Laubmischwald,
durchströmt von kühlen kleinen Quellen.

Ein wahrer Urlaubsgenuss waren diese vier Tage. - Schauen doch auch
Sie vorbei.
Denn: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.
Machen Sie doch auch einmal Urlaub in Deutschland oder den
angrenzenden Staaten. - Der Pfälzer Wald bietet hierzu die
Möglichkeit - aber auch andere Eckchen in unseren Breiten.
In diesem Sinne! - Egal, wo Sie Urlaub machen. Erholen Sie sich
gut!


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