Urlaub auf dem Mond...?

An Unwirklichkeit war diese Landschaft nicht zu überbieten. Wo noch kurz zuvor moosgrüne Felsen die Landschaft bedeckten, erhoben sich nun kleinere und größere Felsbrocken aus einem grauen Meer basaltartigem Untergrund. Hier hätte man mit Leichtigkeit jeden Sciencefiction-Film drehen können, der auf dem Mond oder einem anderen kahlen und fernen Himmelskörper spielte.
Die Straße wurde noch holpriger, als sie ohnehin schon in diesen Breiten waren und schlängelte sich mitten durch dieses Felsenland.
Die Reiseinformation in meinen Händen sagte, dass sich ausgerechnet hier ein beinahe paradiesisches und millionenfach belebtes Fleckchen Erde verbarg. - Unglaublich!
Hafnaberg - stand auf dem Schild geschrieben, das am Straßenrand zu einem kleinen Parkplatz wies. Hier sollte sich also jene Lebenswiege befinden?
Ich stieg aus dem Fahrzeug und trat zu einem Wegweiser, der in eine Richtung wies, in der den Besucher eine Art von Geröllwüste erwartete. Und hier sollte ich richtig sein? Nun gut - der schwarzsandige schmale Pfad, der sich durch die Steinwüste schlängelte, wirkte zumindest ein wenig einladend, führte er doch durch eine ansonsten mit Felsbrocken und Steinen übersäte und damit nur schwer begehbare Fläche. Und auch die Landschaft hatte - trotz ihrer augenscheinlichen Lebensfeindlichkeit - ihren gewissen Charme.
Ich lief ein Stück weit hinein, folgte dem Weg - und stellte bald fest, dass das Wörtchen "Charme" nicht der rechte Ausdruck war. Die Landschaft wirkte tatsächlich sogar anziehend. - Auf ihre ganz besondere Weise.
Der Sand unter meinen Füßen verursachte nur schwach hörbares Rieseln und die Stille rundherum war - zunächst etwas erdrückend - nun beglückend. Kein Vogel rief, kein Flugzeug summte, kein Auto brummte. Auch Wind herrschte hier seltsamerweise nicht und es war - trotz den niedrigen Werten von 6C - hier überraschend mild.
Ich war keine fünf Minuten gelaufen und meine Augen erhaschten einen Blick auf den ersten trotzigen Bewohner dieser Wüste. - Ein rotes Kraut, sukkulent wirkend, reckte igelstachelartig seine Triebe empor und es wirkte beinahe grotesk, wie es da stand - inmitten der offenbaren Unlebendigkeit.
Meine Füße folgten weiter dem Weg und meine Blicke er scheinenden Unendlichkeit jener scheinbaren steinig-sandigen Einöde.
Alle paar Meter befanden sich nach oben hin spitz zulaufende Steinhaufen - Trollburgen, wie ich später erfuhr. Jedem Besucher war angeraten, eine solche kleine Burg zu bauen. Tat er es nicht, würde ihm dies das Volk der Trolle äußerst übel nehmen, ihm Steine in den Weg legen und ihn zum Stolpern bringen. - Und tatsächlich strauchelte ich mehrfach beim Gang durch den Sand. Wo niemand ein Stein vermutet hätte, lag er plötzlich unter dem steinigen Mehl und ließ den Geher wanken.
Nach weiteren Metern spürte ich, dass es auch mehr war, als bloße Anziehung. Dieser Landschaft wohnte ein Zauber inne und ich - der eigentlich nicht abergläubig ist - entschloss mich dazu, den Trollen eine kleine Burg zu bauen. Sicherlich hätte darin nur ein einziger jener Art Platz, aber sicherlich gab es auch Singles oder gar Einsiedler unter diesen Wesen...
Zwischen Trollburgen, roten Igelstachelpflanzen, Sand und Felsen, gesellte sich auch ab und an ein kleines Büschel Moos in die Landschaft. Ein paar gelbe Flechten wuchsen auf grauen, noch nicht lange erkalteten Lava-Formationen und eben jene hielten - als sei die Zeit schlagartig angehalten worden - den ursprünglichen Fluss des glühend heißen Gesteines für den Betrachter Bereit. - Steinflüsse, die verblüffende Muster, Kreise und Wellen für die Ewigkeit gebannt hatten.
Stapf - Stapf - Stapf
Der Weg führte mich weiter und immer weiter. In der Ferne ruhte der Horizont in tiefem Blau auf der stillen schwarzgrauen Ebene, durchsetzt von wenigen weißen Fetzen weichender Regenstadt.
Wann würde jene Lebensoase auftauchen, wann die Millionenstadt inmitten des Felsensandlandes erscheinen? - Oder besser am Rande dieses Landes...
Allmählich - ich glaubte schon nicht mehr daran - mischte sich in der Ferne das helle Himmelblau mit dem dunklen des Meeres und gab so dem Zauber des Landes eine weitere Steigerung.
Unglaublich, dass ich hinter dieser Wüste wahrlich eine Oase des Lebens auftat. - Die blaue Oase des Nordatlantiks mit dem Golfstrom, den gewaltigen Fischschwärmen, den Schulen aus Schweinswalen und den Verbänden der Buckelwale.
Aber dies sollte nicht die Stadt sein, die mich erwartete. Sie hatte vielmehr ihren Platz inmitten der Felsenklippe, die sich in über dreißig Metern von der Wüste ins Meer erbaute. Imposant! - Kolossal! - Überwältigend! - Kein Ausdruck wird dem Gefühl gerecht, welches mich beim Anblick jener gewaltigen Kolonie des Lebens überkam.
Momentan nur einige tausend Wesen - bald jedoch Millionen - würden hier weitere Lebendigkeit schaffen.
Möwen unterschiedlicher Art, zwei Seehunde auf Tauchgang, Seeschwalben und allerlei weitere gefiederte Wesen waren das Empfangskomitee.
Ein Lebensraum - ein Lebenstraum im Südwesten von Island! Erfüllt von Ehrfurcht zog ich wieder von Dannen, zurück und zurück durch die Wüste...

Hier noch ein paar bildhafte Eindrücke...

...Leben auf dem Mond?



...und vom Rest des Landes...

Typische Bergformen in Island...

Auch das kommt öfter vor, als man denkt...

Die Tiere liefen direkt am Auto vorbei und nicht - wie es hier scheint - über das Fahrzeug hinweg. Und die Autos hinter den Pferden gehörten wohl den Besitzern, die sie auf eine andere Weide trieben...

Eine Schluch nahe des Thingvellir - des historischen Versammlungsort des Rates aus norwegischen Siedlern und später der Regierung seit dem Jahr 900 nach Christus. Hier wurde auch die Republik ausgerufen.

Ein Fluss nahe des Thingvellir mit kleinem Wasserfall.

Ein weiterer und größerer Wasserfall in der Schlucht des Thingvellir...

Und noch ein gewaltigerer Wasserfall. - Der Gullfoss. Er speist einen gewaltigen Trinkwasserfluss und sein Wasser stammt vom Gletscher "Langjökull".

Diesen Geysir findet man ganz in der Nähe des Wasserfalles. Er befindet sich in einem geothermisch hochaktiven Gebiet.

Hier befinden sich noch weitere, kleinere Geysire, wie z.B. der "Litli-Geysir", die nur einw enig blubbern, dafür aber bis zu 100 C heißes Wasser enthalten.

Auch das ist Island - getroffen von früheren und jetzigen Wirtschaftskrisen...

Nun noch ein wenig einheimische "Kultur" - aufgenommen auf der Straße in die Stadt der "Rauchenden Schlote" - so heißt Reykjavik übersetzt.

Vieles ist anders in diesem Land, doch eines zeigte auch dort seine Herrlichkeit...

...der isländische Mond...

Fazit:
Die Reise war es wert! Das Land ist zwar auf den ersten Blick karg, bietet jedoch wunderschöne Gebiete, die es zu erkunden gilt. Leider war ich im April dort und bis Juni sind in Island viele Straßen schlichtweg nicht befahrbar und daher gesperrt. - Auch Wege zu den großen Gletschern.
Doch auch der April hatte seinen Reiz - offenbare Eintönigkeit wandelte sich sehr schnell zur eindrucksvollsten Landschaft, die ich je zu Gesicht bekam. Ein absolut empfehlenswertes Reiseland also!

Leider war die Anreise nach Island nur per Flugzeug möglich - eine Fahrt mit Fähre und mehreren Zwischenstopps (u.a. in Schottland und auf den Falkland-Inseln) wäre sicherlich auch sehr interessant gewesen. Doch hätte alleine die Anreise so drei Tage gedauert. Zeitlich war dies daher nicht machbar...
Das ausgestoßene CO2 durch den Flug belastete die Reise ein wenig. Doch dies war mein erster Flug und er war mit Bedacht gewählt. Als Kompensation - wenn man dies so nennen kann - habe ich bei atmosfair für den Ausstoß eine Summe gezahlt, die in Klimaschutzprojekte fließt.


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