Der kleine Kern…

Es war einmal ein kleiner Kern,
der hatte es partout nicht gern,
dass er umgeben war vom Nichts,
was immer dieses Nichts auch ist.

Drum schoss es nun aus ihm heraus,
„Ach, komm, ich dehn mich einfach aus!“
Kaum gesagt, schon getan,
fing er mit der Dehnung an.

Mit aller Kraft drückte er schwer,
das dunkle Nichts stets vor sich her.
Ein ungehörter Knall entstand,
der heute Urknall wird genannt.

Es war der Anfang neuen Seins,
denn jener Kern war nicht mehr klein,
Er schluckte alles rundherum,
geboren war das Universum.

Wie alles denn nun wirklich war,
warum der Urknall einst geschah,
das kann man nicht genau mehr sagen,
versuchen kann man nur zu raten.
Und dieses lass ich besser sein,
drum endet bald mein kleiner Reim.

Doch eines sollte man bedenken,
wenn man den Sinn erfragen möchte.
Man sollte die Erwartung senken,
und fragen, was die Antwort brächte.

Viel wichtiger ist doch die Frage,
was machen wir denn heutzutage
mit dieser schönen Kreation
aus Wasser, Erde, Bild und Ton?
Aus Fühlen, Sehen, Schmecken, Riechen,
aus Wäldern, Wüsten, Bergen, Tiefen.
Aus unsrer Zeit, aus unsrem Raum,
aus Hoffnung, Liebe, Ziel und Traum?
Aus Bäumen, Tieren, andren Wundern,
Lebensliebern, Zeiterkundern?
Traumweltdenkern, Blumenblühern,
Glücksverschenkern, Leidentziehern?

Asche zu Asche, Staub zu Staub,
Gefühle werden eisig taub.
Abgestorben durch das Nichts,
das langsam durch die Ritze kriecht,
der Seelen auf dem Erdenball,
erstickend jenen lauten Knall,
der entstanden war im Nichts.
Man ahnt nun auch, was dieses ist.

Es ist das Dunkle unsrer Zeit,
allmählich macht sich´s wieder breit.

Der arme Kern, der einst beschloss,
dass weichen muss der Nichts-Koloss,
ja, dieser tut mir wirklich leid.
Er hatte nicht sehr lange Zeit,
um zu verdrängen jenes Nichts,
den Schrecken alles warmen Lichts.

Drum würd ich zünden allzu gern,
in jedem Menschen jenen Kern,
der schließlich in uns allen steckt,
der nur zum Teil liegt ganz verdeckt.

Als Zündschnur dienen soll mein Reim,
ich hoffe, er dringt ganz tief ein
ins Dunkel jener grauen Tage,
dass jeder Kern sich stellt die Frage,
wieso er denn nun eigentlich
von diesem Nichts umgeben ist.
Dass es auch schießt aus ihm heraus-
ach komm, ich dehn mich einfach aus!

Und so entsteht, von Fall zu Fall,
ein neues Sein, ein neuer Knall!

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