Wer hat Angst.de

Leben

Oft habe ich mich gefragt, wie alles soweit kommen konnte. Und wie häufig im Leben waren es mehrere Umstände, die zusammen genommen erst den Mist ergaben, mit dem ich mich auseinander setzen musste und der am Ende zu Dünger wurde.
Zusammenfassen kann man es folgendermaßen:

Meine Eltern sind seit jeher sehr fürsorgliche Menschen, die mir Werte von Gewaltlosigkeit und Freundlichkeit vermittelten. Ich war schon immer ein sensibler Mensch. Zugleich war ich nie extrovertiert, aber auch kein echter Eigenbrötler. So hatte ich schon als Kind auf dem Spielplatz die Rutsche lieber für mich alleine oder war nur mit wenigen anderen Kindern am Spielen.

Die Zeit im Kindergarten war nicht einfach, da man hier von mir erwartete, dass ich mit den anderen interagierte. Das tat ich zwar schon, aber wohl doch sehr widerwillig. Heutzutage gilt Teamfähigkeit als Nonplusultra, Individuen werden dadurch jedoch in gesellschaftliche Normen gepresst. Denn es gibt nun einmal Menschen, die fünfzig Freunde haben und gerne Massenveranstaltungen besuchen. Und dann gibt es die mit nur einer Hand voll Freunden, die sich auch mal selbst genügen.

Schließlich kam der erste Schultag, ich war skeptisch und gespannt zugleich. Anfangs lief alles ohne größere Probleme. Doch dann gab es einige "Mitschüler", denen meine etwas zurückhaltende Art missfiel. Was man zunächst als übliche Hänseleien abtun konnte, steigerte sich schließlich zu Mobbing. Meine Grundsätze zur Gewaltfreiheit und meine sensible Art heizten die Problematik an - vor allem aber auch die Reaktion der Lehrer. Ihr Fazit war nämlich nicht, dass die Intoleranten das Problem waren, sondern dass ich mich ändern müsse: Ich solle doch mal zuschlagen! Ich dürfe eben nicht so sensibel sein! Irgendwie erinnert mich dieses Fazit der Lehrer immer an die dumme Feststellung, dass Frauen mit kurzen Röcken eine Vergewaltigung provozieren und selbst schuld seien, wenn sie so herum liefen... Wer sich außergewöhnlich oder anders verhält, als man es von ihm erwartet, ist also selbst schuld, wenn er nicht akzeptiert und gar terrorisiert wird? Das ist Wasser auf die Mühlen der Intoleranten und das Opfer wird zum Täter gemacht.

Als ich die Hauptschule endlich abgeschlossen hatte, war das für mich eine extreme Erleichterung. Doch ich trug das Erlebte weiterhin mit mir herum, hatte sowohl das Vertrauen in mich selbst als auch in andere Menschen verloren. Mit einer solchen Altlast, die ich hinter Mauern der Verdrängung verstaut hatte, konnte kein Mensch auf Dauer leben. Auch ich nicht:
An einem milden Apriltag des Jahres 1997 folgte der Zusammenbruch. Mein Körper spielte verrückt, ich hatte Todesangst, glaubte, mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Aus physischer Sicht lag ich damit falsch, denn ich durchlebte "nur" eine Panikattacke. Dennoch sollte ich nicht ganz unrecht haben: Der Zusammenbruch würde nichts Geringeres einläuten, als das Ende meines bisherigen Lebens. Und sollte der Startschuss in eine neue, bewusstere und vor allem Selbst-bewusstere Existenz sein.

Wie sich dieses Leben faktisch entwickelt hat, können Sie auch in meinem Lebens-Lauf nachlesen. Er ist ein herzhaftes Plädoyer dafür, dass immer was geht und dass man nie den Kopf in den Sand stecken sollte. Außer man ist Vogel Strauß...
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