Wer hat Angst.de

Lebens-Lauf

Wie sehr die Umstände einen Menschen prägen und auch dessen Zukunft beeinflussen können, habe ich am eigenen Leib erfahren. Mobbing und (daraus oft resultierende) psychische und psychosomatische Erkrankungen finden keine Beachtung in Bildungsstudien. Da werden Leute eben als "arbeits- und ausbildungsunwillig" tituliert, sie werden als weniger intelligent oder weniger motiviert abgetan und aufgegeben. Dennoch steckt in ihnen sehr viel Potential, das verschüttet wurde aufgrund fehlender Akzeptanz, Ausgrenzung oder gar offener Angriffe.

Genau für diese Menschen möchte ich eine Lanze brechen. Ich möchte die Sensibilität in der Gesellschaft wecken, ebenso den Mut bei Betroffenen und deren Angehörigen, sich nicht in die Rolle des "Unwilligen" oder "Unfähigen" drängen zu lassen. Folgen Sie mir zu ein paar Stationen auf meinem Weg:

1994
Ich schloss die ungeliebte Hauptschule mit einem Schnitt von 3,5 ab.

Die Suche nach einem Ausbildungsplatz zum Elektroinstallateur war erfolgreich, Ausbildungsbeginn September. Doch kurz vor Beginn erlitt ich einen Unfall, verdrehte mir das Knie und musste die Ausbildung abbrechen.

1995 / 1996
"Berufsvorbereitende Maßnahme": Offenbar unter Drogeneinfluss stehende Schüler, die disziplinlos mitten im Unterricht austanden, "lernten" das "kleine Einmaleins". Und ich durfte mittendrin sein... Die Maßnahme war laut Arbeitsamt Pflicht, doch das Umfeld machte Angst - gerade auch vorm Hintergrund meiner Schulvergangenheit. Und fachlich war sie für mich absolut unsinnig!
Ich fand zum Glück eine sinnvolle Alternative: Ein Berufsgrundschuljahr mit Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung. Die Schulsituation war für mich zwar schwierig, jedoch hatte ich eine tolle und tolerante Klasse mit vielen Nationalitäten: 1996 Abschluss mit einem Notenschnitt von 2,3.

1997-1998
Die erste Panikattacke erlitt ich im April 1997, darauf folgte die Psychotherapie. Nach einigen Therapiesitzungen folgten u.a. Computer-Kurse und die Fahrschule für den PKW-Führerschein (Schulsituation, teils recht schwierig), Aushilfsjobs, ich versuchte aus der sozialen Isolation auszubrechen.

1999
Die Krankenkasse bezweifelte, dass die ambulante Therapie Erfolge bringt, stellte die Leistung vorerst ein, bat um eine Stellungnahme des Therapeuten und von mir. Sie verlangte, ggf. einen stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik in Erwägung zu ziehen. Ich schwankte, entschied mich letztlich für einen Antrag beim Rentenversicherungsträger. Gleichzeitig setzte ich weiter auf meine engagierte Begründung für den bisherigen Therapieerfolg: Innerhalb von zwei Jahren hatte ich mich vom isolierten Menschen immerhin zu jemandem entwickelt, der nun alleine das Haus verlassen und mit dem PKW durch die Gegend fahren konnte. Denn Schulsituationen und Führerscheinprüfung hatte ich gemeistert.

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