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Die Panikattacke

Die Angst ist ein urtümliches Gefühl. Sie schützt seit jeher den Menschen (und auch andere Tiere) vor Gefahren. Bei einer krankhaften Angststörung und bei Panikattacken steht jedoch meist eine, für Außenstehende, harmlose oder gar alltägliche Situation im Hintergrund. Ein offener, freier Platz, ein enger Raum mit vielen Menschen, ein Blick aus dem 5. Stock in die Tiefe, eine kleine Spinne oder ein niesender Passant,... Die Liste ist lang.
Daher sind Angst- und Panikattacken auch Theorie, denn sie entstehen im Kopf eines Betroffenen. Das Umfeld bekommt vielleicht die Reaktion des Panischen mit, aber meist nicht den Auslöser. Ein Außenstehender, der noch nie so etwas durchlebt hat, wird verständnislos den Kopf schütteln und einen Betroffenen als "gaga" oder "Sensibelchen" einstufen.
Dabei sind es ganz handfeste Reaktionen und messbare körperliche Symptome, die hinter einer solchen Attacke stehen.
Alles beginnt im Gehirn, im "Thalamus". Dort laufen alle Sinneseindrücke zusammen und werden nach Wichtigkeit gefiltert, um an die zuständigen Bereiche weitergeleitet zu werden. Taucht hier eine Gefahrenmeldung auf, wird sie gleich an zwei Bereiche weitergeleitet. Eine davon ist die der Hippocampus, der den Reiz analysiert und ihn mit Erfahrungen in der Hirnrinde abgleicht. Dies dauert etwa eine halbe Sekunde, was bei direkten Gefahrensituationen zu spät sein kann. Daher existiert eine zweite Verbindung direkt zur Amygdala (dem Mandelkern). Dieser Gehirnbereich ist einer der urtümlichsten, und für sehr schnelle Reflexe zuständig.
Ein praktisches Beispiel: Plötzlich springt neben dem Gehweg etwas aus dem Gebüsch, Ihnen direkt vor die Füße. Sie erschrecken, springen zurück. Ihr Herz rast, die Atmung ist beschleunigt, Sie sind abwehr- und fluchtbereit binnen Millisekunden. Diese Reaktion ist dem Mandelkern zu verdanken. Ihre Hirnrinde analysiert nach einer halben Sekunde dann, dass es doch nur Nachbars Lumpi war, und kein blutrünstiger Werwolf. Der Herzschlag normalisiert sich.
Bei einer Panikattacke geschieht diese Reaktion jedoch aus einer harmlosen Situation heraus. Sie blicken aus dem Fenster im dritten Stock nach unten, Sie stehen in einer Menschenmasse in der S-Bahn, oder Sie sitzen einfach nur in einer Schulsituation. Und plötzlich beschleicht Sie das ungute Gefühl, dass Sie hier so schnell wie möglich raus müssen. Das Herz beginnt zu rasen, die Atmung wird flach, auf Ihrer Stirn bildet sich Schweiß, die Hände werden zittrig.
Und schon sind Sie mittendrin in der Angstattacke. Der Körper beginnt sich auf eine Flucht oder eine Verteidigung vorzubereiten, die Symptome kochen über. Deshalb wollen Sie einfach nur los rennen und die Situation verlassen. Das geht in der fahrenden S-Bahn oder in einer Schulsituation nur bedingt. Gleichzeitig fühlen Sie, dass Sie hier raus müssen und können nicht mal verstehen, woher diese Symptome kommen. Erleiden Sie einen Herzinfarkt, kippen Sie gleich um, oder durchleben vielleicht einen Asthma-Anfall? Wenn Sie gedanklich so weit fortgeschritten sind, ist das der ideale Nährboden für eine ordentliche Panikattacke. Der Körper läuft auf Hochtouren, obwohl Sie die Handbremse angezogen haben, es knirscht und stöhnt in Ihrem Inneren.
Gehen Sie mit so einem Gefühl aus einer Situation heraus, mit dem Gedanken "Endlich ist das vorbei!", ist das Risiko groß, dass Sie sich dadurch neue Gefahrensituationen antrainieren. Denn die Amygdala (der Mandelkern) speichert solche Verknüpfungen zwischen Situation und Empfinden. So wird das Sitzen in der Schule oder der S-Bahn auch beim nächsten Mal zu psychosomatischen Problemen in Verbindung mit Angst führen. Sehr schnell kommt es vor, dass sich daraufhine ine Art von Vermeidungstaktik einstellt. Alles was einem nicht gut tut, vermeidet man schließlich lieber. Und dadurch bestärkt man die Angstproblematik immer weiter. Man entwickelt die Angst vor der Angst - und landet in einer Abwärtsspirale, die einen sehr schnell in die Isolation und den Rückzug bugsiert.

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