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Der Zusammenbruch

Es war ein milder Apriltag des Jahres 1997.
Ich hatte meinen ersten Job angenommen, der darin bestand, Prospekte in Briefkästen zu verteilen. Viel verdiente ich nicht damit, doch mir schien es wichtiger, einen ersten Schritt in die Arbeitswelt zu tun.
Da es sich um relativ viele Prospekte handelte und ein Termin zur kompletten Verteilung feststand, unterstützte mich meine Mutter bei der Arbeit.
Wir liefen in einem mir relativ unbekannten Gebiet, und für einige hundert Meter trennten sich unsere Wege: Wir teilten uns auf.
Nach einigen Metern stieg plötzlich ein beklemmendes Gefühl in mir auf. Das Gefühl, nicht tief genug einatmen zu können. Hinzu kam dieser blühende Baum, der einen pappsüßen Duft von sich gab. Schnell verband ich das Eine mit dem Anderen und stellte mir vor, dass sich mein Heuschnupfen nun vielleicht zu einer Asthma-Erkrankung entwickelt hatte. Ich ging ein wenig schneller, mein Herzschlag beschleunigte sich und das Gefühl der Beklemmung intensivierte sich.
Ich war allein! Niemand würde bemerken, wenn ich hier zusammenbrach und zu ersticken drohte.
Doch zum Glück war ja der Verbindungsweg zur Parallelstecke nicht weit, auf der meine Mutter unterwegs war.
Dort vorne kam doch der Weg, oder? Wo war er?
Die vermutete Verbindung entpuppte sich als Sackgasse! Schlagartig bescheunigte sich mein Schritt, zusammen mit dem Herzschlag. Ich versuchte immer tiefer zu atmen, was sich langsam in ein Hecheln steigerte. Schwindel begann mich zu erfassen. Endlich hatte ich die nächste Verbindung zur Parallelstraße erreicht und dort lief auch meine Mutter. Ich erzählte ihr von meinem Problem und wir gingen zurück zum Auto. Doch widererwarten beruhigte mich das Sitzen im Auto nicht! - Nein, ich bat sogar meine Mutter nach einigen Metern Fahrt anzuhalten und sprang panisch aus dem Fahrzeug. Der sonst sehr geräumige Opel Kadett-D wirkte plötzlich wie eine enge, luftarme Falle. Aus dem Auto gesprungen, begann es in meinen Füßen und Händen zu kribbeln. Todesangst setzte ein. Irgendeine tödliche Krankheit schien in mir ausgebrochen zu sein und nun mein Ende einzuläuten...
Nur mit Mühe überredete mich meine Mutter, wieder ins Auto zu steigen. Wir fuhren zum Hausarzt.
Schwankend, benommen, mit kribbelnden Händen und Beinen, roten Flecken im Gesicht und noch immer mit einer gewissen Beklemmung betrat ich sofort das Sprechzimmer. Der Arzt kontrollierte den Blutdruck, die Atemwege und prüfte schließlich meine Lungenfuntkion.
Dann dann kam er zu einer Diagnose, die ich nicht glauben konnte: "Sie hatten eine Panikattacke und haben hyperventiliert!", sagte er. Und er drückte mir eine Überweisung zum Neurologen in die Hand. Der würde die Notwendigkeit einer Psychotherapie beurteilen und mich entsprechend weiter überweisen.
Panikattacke? Ich? War es also nun amtlich? Ich war ein Fall für die Klappse? Ich konnte es nicht glauben, war nun aber erst mal froh, dass die Symptome so schnell wieder verschwunden waren, wie sie mich heimgesucht hatten... Vorerst!
Bald war Ostern, es standen Feiertage bevor. Feiertage, an denen kein Hausarzt erreichbar war. Und an denen natürlich die Beklemmung zurückkehrte. Zusammen mit der Befürchtung, dass diese Beschwerden niemals Resultat einer psychischen Erkrankung sein konnten!
Ein Grund mehr, an Ostersonntag als Notfall zur ärztlichen Bereichtschaftspraxis zu fahren.

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